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Kaffeestrauch im Garten?

Kaffeestrauch im Garten?

Heute schon Kaffee getrunken? Haben Sie sich dabei gefragt, woher der Kaffee eigentlich kommt? Vermutlich nicht. Der Kaffeestrauch stammt ursprünglich aus dem Hochland Äthiopiens, wird heute aber in über 50 Ländern im gesamten Tropen- und Subtropengürtel kultiviert. Obwohl die Gattung „Coffea" über 100 Arten beinhaltet, werden nur einige wenige zur Herstellung der begehrten Kaffeebohnen genutzt: den weit überwiegenden Teil macht der Arabica-Kaffee aus gefolgt von Robusta-Kaffee und einigen wenigen anderen Arten wie Liberica- und Exzelsia-Kaffee. Von allen verwendeten Arten gibt es viele Sorten. Über das Osmanische Reich kam der Kaffee nach Europa. Bereits um 1650 gab es in Venedig, London und Marseille erste Kaffeehäuser.

Kolumbien, mein „Winterquartier", ist mit rund 750.000 Tonnen im Jahr nach Brasilien und Vietnam weltweit der drittgrößte Kaffeeproduzent. Auch hier ist meist der Arabica-Kaffeestrauch vertreten und gedeiht vorwiegend in Höhenlagen über 1000 Meter und im lichten Schatten großer Bäume. Kleine bis mittelgroße Familienbetriebe, die zunehmend „organisch" also „bio" (ohne Chemieeinsatz) oft in sehr steilen Hanglagen produzieren, sind in der überwiegenden Mehrzahl und vermarkten ihren Kaffee vielfach unter dem Label „Agroecologia familiar". Baumlose Plantagenwirtschaft wird hier nicht betrieben, weshalb der Kaffeeanbau in der hügeligen bis bergigen Landschaft nicht auffällt, da man vor allem die großen Beschattungsbäume sieht. Dies vermittelt aus der Ferne den Eindruck von Wald.

Die Sträucher weisen fast immer Blüten und Früchte aller Reifestadien gleichzeitig auf, Haupterntezeit ist aber um Weihnachten herum. Nur die reifen roten „Kirschen" werden selektiv händisch gepflückt, gewaschen, getrocknet vom Fruchtfleisch und den zwei Häutchen befreit. Selbst die Trocknung erfolgt „bio", nämlich in der Sonne, die zu dieser Jahreszeit unermüdlich scheint. Die grünlichen Bohnen werden dann an Händler oder Genossenschaften verkauft und weltweit vermarktet. Geröstet wird kurz vor dem Verkauf in den Verbraucherländern.

Ein Kuriosum stellt der „Katzenkaffee", auch Wieselkaffee oder (in Indonesien) Kopi Luwak genannt, dar. Die in freier Wildbahn lebenden indonesischen Fleckenmusangs oder äthiopischen Zibetkatzen fressen die „Kirschen" scheiden die Kerne aber wieder unverdaut aus. Der Exkremente-Kaffee wurde bis vor etwa 60 Jahren von der einheimischen Bevölkerung gesammelt, gewaschen und als Kaffee zubereitet, da der damals sehr wertvolle und mühsam angebaute Plantagenkaffee ausschließlich für Kolonialisten und den Export bestimmt war. Heute wird er teilweise mit synthetischen Enzymlösungen hergestellt und um gut € 250,- je kg gehandelt. Der hohe Preis verleitet allerdings die Einheimischen nunmehr dazu, die für die „natürliche" Produktion des „Katzenkaffees" unerlässlichen Schleichkatzen zu fangen und in äußerst beengten Käfigbatterien zu halten, wo sie fast ausschließlich und nicht artgerecht mit Kaffeekirschen gefüttert werden. Mittlerweile gibt es aber auch einige Kaffeebauern, die sich einer ökologischen und tierschutzgerechten Produktion von Kopi Luwak angenommen haben. Dieser Kaffee wird durch den Darmdurchgang nicht nur speziell „fermentiert", sein besonderer Geschmack rührt auch daher, dass die freilebenden Tiere ausschließlich die reifsten und somit besten „Kirschen" ernten, was bei der Käfighaltung nicht möglich ist.

Kaffee ist heute in Europa ein Massenkonsumprodukt geworden und kaum jemand erinnert sich noch an die Zeit, in der es fast nur Kaffeesurrogate gab (Malz-, Feigen-, Zichorienkaffee) und Bohnenkaffee fast unerschwinglich war. Schmeckt Ihnen der Kaffee jetzt noch besser? Zur Eingangsfrage zurück: Kaffeestrauch im Garten? Ja, aber in Europa nur im Gewächshaus!

Prof. Karl E. Schönthaler
VIKING Garten-Experte

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