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Vertikutieren: Was passiert hierbei wirklich und was ist zu beachten?

Vertikutieren: Was passiert hierbei wirklich und was ist zu beachten?

Filz gibt es nicht nur in der Politik sondern auch beim Rasen, letzterer ist allerdings etwas einfacher zu bekämpfen, z.B. durch Vertikutieren. Rasenfilz, auch „thatch" genannt, besteht vorwiegend aus abgestorbenen aber auch einigen lebenden Sprossteilen sowie teilweise auch aus Wurzeln. Er befindet sich zwischen dem Boden und der sichtbaren Grasnarbe und kann wenige Millimeter bis sogar etwa 2 cm dick sein. Allerdings – nicht jeder Rasen weist automatisch Filz auf.

In erster Linie ist das eine Frage der angesäten bzw. vorhandenen Grasarten. Nur wenige Laien können allerdings die einzelnen Grasarten unterscheiden, obwohl das gar nicht so schwierig und durchaus interessant ist. Besteht ein Rasen überwiegend aus „Lolium perenne" (Englisches Reygras oder Deutsches Weidelgras) ist kaum mit Rasenfilz zu rechnen, man sieht beim kurz geschnittenen Rasen fast immer den Boden zwischen den Grasblättern durchschimmern. „Lolium"-dominante Rasen brauchen demnach kaum jemals vertikutiert werden. Rasen mit überwiegend „Poa pratensis" (Wiesenrispe) und/oder hohem Anteil an „Festuca"-Arten (Rotschwingel, Schafschwingel) neigen weit stärker zur Filzbildung. Am schlimmsten sind diesbezüglich „Agrostis"-dominierte Rasen (mit überwiegendem Straussgräser-Anteil). Diese Grasarten sind typisch für Golfgreens und in Samenmischungen für Hausgärten nur selten enthalten. Selbst zwischen den einzelnen Grassorten bestehen hinsichtlich Verfilzungsneigung Unterschiede, so gibt es sogar einige „Lolium"-Sorten, die eine schwache Verfilzung zeigen können. Leider neigen aber gerade die für den Hausgarten „guten", d.h. sehr dicht werdenden „Poa"-Rasen, zur Verfilzung.

Was ist nun das Problem mit dem Filz? Dieser Filz stellt eine Art „Schwamm" dar, der das Wasser bei kleineren Regen- oder Bewässerungsmengen aufsaugt und es nicht an den durchwurzelten Boden weitergibt. Vom Filz aus verdunstet das Wasser wieder weitestgehend und kommt somit dem Rasen kaum zugute. Gerade in Hausgärten spielt das eine große Rolle, da hier in vielen Fällen zu oft aber zu wenig auf einmal bewässert wird (zum „richtigen" Bewässern finden Sie in dieser Rubrik meinen Beitrag vom 25.06.2014). Auf „falsche" Bewässerung reagiert der Rasen über längere Zeit sehr deutlich, ohne dass der Laie es bemerkt: die Graswurzeln verlagern sich dorthin wo es am feuchtesten ist, nämlich unmittelbar unter die Filzschicht und sogar in diese hinein. Der Rasen bildet somit ein extrem flaches Wurzelsystem aus und reagiert dann selbst auf kurzfristigen Wassermangel sehr empfindlich. Er wird sozusagen „süchtig" nach laufender Bewässerung. Nachdem der Rasen dann im Boden nur mehr schwach verwurzelt ist, sinkt auch seine „Scherfestigkeit" stark ab, das heißt er verträgt Trittbelastungen immer weniger.

Was kann man gegen den Filz tun? Vertikutieren! Das hört sich zwar einfach an, aber es „richtig" zu machen ist dann doch nicht ganz so einfach. Das fängt bei der Gerätewahl an, geht über den geeigneten Zeitpunkt der Durchführung bis hin zur richtigen Tiefeneinstellung. Vergessen Sie insbesondere die im Handel angebotenen händisch zu bedienenden Geräte: damit schafft man gerade mal ein paar Quadratmeter. Auch die meisten „Billiggeräte" sind kaum geeignet den Rasen wirklich zu „entfilzen" – sie sind oft zu schwach konstruiert um den Filz entsprechend herauszuholen. Vertikutieren sollte man bei trockener Witterung in der wachstumsstärksten Zeit, d.h. am besten im Mai und zwar deshalb, weil es beim Vertikutieren natürlich auch zu deutlichen Verletzungen an der lebenden Rasensubstanz kommt, die es so rasch als möglich zu regenerieren gilt. Vor dem Vertikutieren ist der Rasen jedenfalls zu mähen.

Die richtige Tiefeneistellung vorzunehmen ist der heikelste Teil beim Vertikutieren! Die Werkzeuge (Messer, Federzinken etc.) sollen so tief eingestellt werden, dass sie knapp den Boden erreichen damit möglichst viel Filz herausgearbeitet wird. Haben Sie aber einen schon länger verfilzten Rasen mit flach ausgebildetem Wurzelhorizont oder gar einen „Agrostis"-dominanten Rasen, dann werden Sie mit der eben genannten Einstellung einen „Totalschaden" am Rasen anrichten: er wird nämlich in größeren Stücken herausgerissen, weil er eben nicht mehr tiefer verwurzelt ist.

Als Rat bleibt daher nur: die Tiefeneinstellung stückweise an Stellen versuchen, die nicht gleich ins Auge springen. Viele scheuen daher eine tiefere Einstellung, so dass kaum Filz anfällt, bzw. herausgearbeitet wird - schade um die aufgewendete Mühe! Etwas Mut aber mit „Fingerspitzengefühl" ist also angesagt. Das „herausgearbeitete" Material muss natürlich vom Rasen entfernt werden und lässt sich gut kompostieren.

Viel Spaß beim nächsten Vertikutiergang!

VIKING Garten-Experte
Prof. Karl E. Schönthaler

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