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Schatten im Garten

Schatten im Garten

Wir alle lieben die Sonne, insbesondere im Frühling oder auch im Herbst, wo wir ihre milde Wärme sehr angenehm empfinden. Im Sommer aber wird sie uns oft zu stark, zu intensiv, zu grell – wir suchen den Schatten.

Aber Schatten ist nicht gleich Schatten: wenn Sie es nicht kennen oder glauben, probieren Sie es aus: der Schatten unter einer Markise fühlt sich ganz anders an als unter einem Baum. Die Erklärung ist relativ einfach: die dünne Stofflage der Markise hält zwar die direkte Sonnenstrahlung ab, doch darunter staut sich die Wärme. Bei einem Baum hingegen sind es tausende einzelne Blätter mit durchlüfteten Zwischenräumen, die den Schatten spenden. Dazu kommt noch, dass diese Blätter täglich hunderte Liter Wasser verdunsten und damit die Luft im größeren Umkreis abkühlen. Das Mikroklima im Bereich des Baumes ist daher unvergleichlich angenehmer. Den Baumschatten kann man aber nicht „einrollen" wie jenen der Markise, wenn wir einmal ohne Schatten auf der Terrasse sitzen wollen. Deshalb ist es sehr wichtig den Standort der Bäume frühzeitig und wohl überlegt auszuwählen, wobei noch die Zeit- und Größenentwicklung wie auch die Art der Bäume zu berücksichtigen sind.
Eine relativ jüngere Beschattungsmöglichkeit sind die „Sonnensegel", nachdem sie nicht zwingend mit dem Haus verbunden sein müssen, sind diese besser durchlüftet und machen daher weniger Wärmestau. Je nach Ausführung (z.B. einrollbar oder fix) sind sie wegen des deutlich höheren Konstruktionsaufwandes aber auch wesentlich teurer.

Wird ein Jungbaum gepflanzt vergehen einige Jahre bis er sich zum Schattenbaum entwickelt hat. Alternativ kann auch ein bereits größerer Baum gepflanzt werden, wobei dies dann sehr rasch ins Geld geht, zumal noch Transport- und Pflanzkosten zu berücksichtigen sind. Weiters ist zu beachten ob der Baum mit vertretbarem Aufwand  überhaupt an den gewünschten Standort gebracht werden kann. Gute Baumschulware zeichnet sich dadurch aus, dass sie mehrmals „verschult" wurde, das heißt dass der Baum öfter umgesetzt worden ist, nur dann sind die Wurzen im Erdballen konzentriert und der „Verpflanzschock" bleibt relativ gering. Ist der Garten groß genug, könnten auch zwei Terrassen angelegt werden, eine am Haus mit Markise und eine im Baumschatten weiter draußen im Garten.

Laubbäume eignen sich als Schattenspender meist viel besser als Nadelbäume weil sie fast immer einen höheren Kronenansatz haben. Darüber hinaus bieten sie ein jahreszeitlich stark wechselndes Erscheinungsbild. Je nach Vorliebe kann man Bäume mit sehr dichter Belaubung wie z.B. Linden- oder Ahornarten, Kastanien etc. wählen oder Bäume mit sehr viel lockerer Belaubungsstruktur. Beispiele dafür sind Birken, Robinien (Scheinakazie), Gleditsia triacanthos (Lederhülsenbaum, Christusdorn), Koelreuteria paniculata (Blasenbaum), oder Paulownia tomentosa, Sophora japonica (Schnurbaum) und viele mehr. Einige der „Exoten" aus dieser Gruppe haben auffallende Blüten und Früchte (Paulownia, Koelreuteria), außerdem liegt ihr Vorteil darin, dass sie später als die mitteleuropäischen Arten austreiben und somit die noch milde Frühlingssonne nicht abhalten. Alle genannten Arten sind in Mitteleuropa durchaus winterhart. Auch Hochstamm-Obstbäume wie etwa Apfel oder Eberesche sind gut als Schattenspender geeignet.

Laubbäume bzw. Obstgehölze nahe der Südseite eines Hauses oder direkt an der Wand als Spalier gezogen sind – wenn man so will - eine „lebende Klimaanlage": Während sie im Sommer durch Beschattung der Hauswand deren Aufheizung verhindern, lassen sie die Wintersonne durch und ermöglichen so die gewünschte Erwärmung der Wand. Eine einfache und effektive Methode, die Jahrhunderte lang praktiziert wurde, heute aber weitgehend in Vergessenheit geraten und durch teure technische Anlagen ersetzt worden ist.

Schatten in Teilen des Gartens ist Bewegung, Veränderung und belebt diesen damit deutlich. Zwischen den besonnten und nicht besonnten Stellen entstehen Kontraste, die sich mit der Tages- und Jahreszeit laufend verändern. Schatten werden länger und kürzer, dichter und schwächer und selbst bei leisem Wind ist das Schattenbild ständig in Bewegung.

Noch ein kurzer Schattentipp: Wintergrüne Laubgehölze wie z.B. Rhododendren gedeihen deutlich besser und stabiler, wenn sie zumindest Halbschatten haben, wobei dies vor allem in kalten Wintern wichtig ist. Die Erklärung dafür ist einleuchtend: die Wintersonne erwärmt die Blätter recht stark, sodass sie zu transpirieren beginnen, das Wasser im Boden ist aber gefroren und kann nicht nachgeliefert werden. Die Pflanzen vertrocknen, was in der Fachkunde daher „Frosttrocknis" genannt wird. Der Laie meint jedoch die Pflanzen seien „erfroren". Eine Winterbeschattung hilft den Rhododenren ungemein.

Auch viele Stauden lieben schattige Plätze im Sommer, der Rasen hingegen gar nicht, darüber habe ich aber schon mal berichtet.

Prof. Karl E. Schönthaler
VIKING Garten-Experte

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