Problem Marillensterben

Problem Marillensterben

Alljährlich beobachten wir seit vielen Jahren dieses Phänomen bei der Marille. Leit- und Fruchtäste welken und sterben ab. Zahlreiche Fachleute beschäftigten sich schon mit diesem Problem. Heute können wir sagen, dass die Ursachen für dieses Marillensterben vielfältig sind. Phytoplasmen, Bakterienbrand und wechselnde Wetterbedingungen, Winter- und Sommernekrosen können die Ursache für das Absterben der Marillenbäume sein. Besonders im Vorjahressommer konnten wir verstärkt beobachten, dass in Zeiten der extremen Hitze besonders viele Äste an den Marillenbäumen betroffen waren. Die Symptome sind insbesondere nach den Hitzetagen im August aufgetreten. Bei der Sichtung einiger Bäume konnte ich feststellen, dass sowohl geschnittene als auch angeschnittene Bäume gleichermaßen betroffen waren.
Schlagtreffen - Apoplexie
Der Experte bezeichnet dieses Phänomen als Apoplexie. Beim Menschen würde man sagen: Eine plötzliche Durchblutungsstörung hat einen Schlaganfall ausgelöst. Ähnlich ist das auch bei den Pflanzen, insbesondere bei den Marillen.
Phytoplasmen sind Bakterien ohne Zellwand
Diese Krankheit ist auch als europäische Steinobstvertilgungskrankheit bekannt. Phytoplasmen sind Bakterien. Sie haben keine Zellwand und leben in den Siebröhren. In diesen werden Zucker, vorwiegend Saccharose und Aminosäuren transportiert. Diese Siebröhren können von Phytoplasmen besiedelt werden, was zur Folge hat, dass der Durchfluss verstopft. In weiterer Folge können ganze Astpartien absterben, aber auch ganze Bäume betroffen sein. Die Früchte sind runzelig. Sie sind oft nur notreif, sie haben keinen Marillengeschmack und fallen vorzeitig ab. Das Fruchtfleisch bei bestimmten Sorten verfärbt sich braun und wird in der Regel etwas schwammig. Blätter rollen sich nach oben ein. Ein typisches Symptom für Phytoplasmen ist auch, dass die Blattknospen im Frühjahr vor den Blütenknospen austreiben.
Bakterienbrand
Bakterien sind die Ursache für den Bakterienbrand, welcher im Frühling die Knospen befällt und im Herbst über Schnitt und Frostwunden ins Holz gelangen kann. Begleitet wird diese Krankheit punktuell von einem braunen Gummifluss an den Zweigen und auf der Rinde. Im nächsten Frühling treiben einige Äste nicht mehr aus und sterben ab. Wir können nur präventive Maßnahmen wählen.
Die Marille braucht durchlässige Böden, keine Staunässe und vor allem beim Nachpflanzen sollte man äußerst vorsichtig umgehen und einen Bodenaushub vornehmen. Pflanzt man Marille auf Marille, so fördert das massivst verschiedene Krankheitserreger, unter anderem auch Pseudomonas syringae, den Bakterienbrand.
Sommer- und Winternekrosen
Sommer- und Winternekrosen schädigen die Leitungsbahnen und der Baum kann nicht mehr mit Wasser und Assimilaten versorgt werden. Im Westen Österreichs werden beispielsweise traditionell Marillenbäume mit Spalier an die Häuser gepflanzt. Dadurch sind die Bäume besonders vor Niederschlägen geschützt und weniger anfällig für Schrotschuss, Monilia und andere Pilzkrankheiten. Besonders Bäume, die nach Süden ausgerichtet sind, unterliegen einer intensiven Sonneneinstrahlung. Im Winter kommt es - wegen der kalten Nächte und der sonnigen Tage - zu Spannungen am Stamm und an den Ästen. Das führt dann meistens dazu, dass es zu Rinden- und Holzschäden kommt, besonders die Leitungsbahnen sind betroffen. In der Folge sterben zum Teil Äste und Bäume im Laufe der Vegetationszeit ab. Auch den Sommer darf man nicht unterschätzen. Erwärmt sich der Stamm über 45 Grad Celsius, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der Baum einen Schaden erleidet.
Um diesen Einflüssen etwas entgegenzuwirken, sollte man die Stämme und stärkeren Äste besonders in den ersten Entwicklungsjahren, fünf bis zehn Jahren mit einem weißen Strich versehen und gegen die Sonne schützen. Mit guten Produkten reicht ein Bestreichen alle fünf bis sieben Jahre. In dieser Zeit passt sich der Baum den Gegebenheiten gut an. Sind die Bäume nach Süden gepflanzt, empfehle ich die Stämme grundsätzlich mit einem Weißanstrich zu versehen. Damit kann man gut verhindern, dass es zu Gefäßschäden und Frostplatten an den Bäumen kommt.
Fazit
Begünstigt hat dieses Auftreten mit Sicherheit auch, dass alte sehr widerstandsfähige Unterlagen und Sorten an Bedeutung verloren haben. Bei den neuen Unterlagen und Sorten machen wir jetzt die ersten Erfahrungen. Es werden sich sicher weniger und stark anfällige Sorten herauskristallisieren.
Mit dem Phänomen Apoplexie (Schlagtreffen) werden wir uns jedoch noch lange beschäftigen müssen und meiner Warte wird dieses Problem auch nie restlos zu lösen sein. Neue Unterlagen und Sorten werden uns in Zukunft jedoch helfen, das Problem etwas zu entschärfen.

Manfred Putz
VIKING Garten-Experte

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