Hortisol – Fruchtbare Gartenerde

Hortisol – Fruchtbare Gartenerde

Wer einen Gemüsegarten neu anlegt, steht im ersten Schritt vor einer großen Herausforderung: Wie wandelt man Land in Gartenland um? Und wie entsteht ein fruchtbarer Gartenboden? Zuerst die schlechte Nachricht: Zu Beginn ist etwas Aufwand, Zeit und Kraft notwendig. Dann die gute: Es wird von Jahr zu  Jahr einfacher, vorausgesetzt, Sie gärtnern biologisch: Dann nimmt der Humusgehalt von Jahr zu Jahr zu und damit wird das Gärtnern von Jahr zu Jahr einfacher. Wer karge Böden rasch in ein fruchtbares Gartenbeet umwandeln will, baut am besten ein Hügelbeet.

Eine fast 80-jährige, leidenschaftliche Gärtnerin meinte unlängst zu mir, dass es 30 Jahre brauche, bis ein guter Gartenboden entstehe, dass man 30 Jahre – biologisch! – gärtnern müsse, bis man den Gartenboden soweit  hätte, dass er richtig gut sei. 30 Jahre, das ist ja fast ein halbes Leben. Daran und was ich in diesem Artikel schreiben sollte, dachte ich gerade, als ich heute in der Früh mit unserer Hündin unsere tägliche Runde ging. Diese führt mich auch an einigen Häusern vorbei. Auf einer Bauparzelle war heute ein hoher Haufen dunkler, fruchtbare Erde frisch aufgeschüttet. Ich wunderte mich und ging weiter. Bei einem Haus stand ein Bagger. Dort, wo seit vielen Jahren ein Gemüsegarten war, war jetzt ein großes Loch. Der Haus- und Gartenbesitzer, ein Nachbar ist gerade am Werken. Ich frage ihn, ob er den Garten neu anlegt. „Nein", meint er, der Sohn würde sich ein Swimmingpool wünschen. Ich wunderte mich: Während mich ständig Menschen kontaktieren mit der Frage, wie man einen Selbstversorger-Garten anlegt und wie man Land in ertragreiches Gartenland umwandeln kann, entschließen sich andere das fruchtbare Gartenland in ein – unfruchtbares – Pool umzuwandeln.

Was ist fruchtbarer Gartenboden?
Die deutsche Bodensystematik kennt einen eigenen Bodentypus – übrigens den einzigen, der alleine von Menschenhand geschaffen ist – den Gartenboden Hortisol. Hortisole kommen in der „freien",  vom Menschen unbeeinflussten Natur nicht vor, sondern entstanden im – für Geologen – kurzen Zeitraum von 200 bis 300 Jahren. Auch wenn der Gartenboden meines Nachbarn noch kein echter Hortisol war – hier wurde „nur" 30 Jahre gegärtnert – hat sich der Boden in dieser Zeit schon verändert und einen höheren Humusgehalt als zuvor. Echte Hortisole sind wegen ihres hohen Humusgehalts dunkelbraun bis fast schwarz. Sie haben einen mehr als 40 Zentimeter mächtigen Humus-Horizont, der durch die tiefgründige gärtnerische Bodenbearbeitung und durch die intensive Humuszufuhr entstanden ist.

Kompost – Die Quelle der Bodenfruchtbarkeit
Nur durch regelmäßige Zugaben von gutem Kompost oder Mist entsteht fruchtbare Gartenerde. Dieser düngt einerseits die Pflanzen, die in diesem Jahr angebaut werden und führt dem Boden andererseits organische Substanz zu, die von den Bodenorganismen in Dauerhumus umgewandelt wird. Dauerhumus ist das Ziel jedes Gärtners. Kann er doch immerhin bis fast das Doppelte seines Eigengewichts an Wasser speichern und Nährstoffe binden und für die Pflanzen verfügbar halten. Böden mit einem hohen Humusgehalt sind feinkrümelig und locker, die Pflanzen können hier gut wurzeln und wir Gärtnerinnen und Gärtner tun uns leicht sie zu bewirtschaften, weil die Pflanzen gesund und ertragreich wachsen und das biologische Gleichgewicht im Boden verhindert, dass sich bodenbürtige Pflanzenkrankheiten rasch ausbreiten können. Unlängst wurde in einer Studie an der Universität für Bodenkultur in Wien sogar nachgewiesen, dass Böden mit einem höheren Humusgehalt weniger von Nacktschnecken geplagt werden.

Wie geht das schneller?
Wer nicht 30 Jahre warten  möchte, legt am besten ein Hügelbeet an. Das ist zwar im ersten Jahr recht aufwändig, da viel organisches Material eingebracht werden muss. Hügelbeete sacken innerhalb von ein paar Jahren zusammen, können aber danach wie normale Gartenbeete bewirtschaftet werden und ermöglichen, dass auch – z.B. nach einem Haus-Neubau – verdichtete Böden rasch in fruchtbare Gemüsebeete umgewandelt werden können.

Bau-Anleitung für ein Hügelbeet
Zunächst auf einer Breite von 150 cm und einer beliebigen Länge die Humusschicht ca. 20 Zentimeter tief ausheben und zur Seite legen. Anschließend wird die ausgehobene Grube mit einem feinmaschigem Draht auslegen, um Wühlmäuse und andere Kleintiere fern zu halten. In der Mitte des neuen Beetes wird auf einer Breite von 70 Zentimetern der „Kern" aus grob zerkleinerten Ästen, Schnittgut von Gehölzen und Hecken 40 bis 50 cm hoch  aufgeschichtet. Darüber kommt eine 15 cm dicke Schicht aus Rasensoden (mit dem der Grasnarbe nach unten) darauf, ersatzweise Strohhäcksel mit Mist oder frische Küchenabfälle – bis dahin kann man ein Hügelbeet auch im Herbst aufbauen und die gesamten Küchenabfälle des Winters hierhin „entsorgen." Nun folgt  - wenn möglich – eine etwa 30 cm hohe Schicht aus feuchtem Laub. Darauf kommt eine etwa 20 cm starke Lage aus frischem, noch nicht verrottetem Grobkompost, vermischt mit etwas Gesteinsmehl. Zum Schluss wird das Hügelbeet etwa 20 cm hoch mit einem Gemisch der abgehobenen Gartenerde und 20 % reifem Kompost abgeschlossen.

Andrea Heistinger
VIKING Garten-Expertin

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