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Grüner Umhang für Häuser

Grüner Umhang für Häuser

Begrünte Fassaden sind keine Erfindung unserer Zeit sondern haben eine lange Tradition. Allerdings gibt es heute eine Reihe technischer Möglichkeiten Fassadenbegrünungen zu forcieren, dazu aber später.
Bauwerksbegrünungen beeinflussen das lokale Mikroklima positiv und schützen auch die Fassaden vor Umwelteinflüssen wie Schlagregen, direkter Sonnenbestrahlung usw. Die Lebensdauer der eigentlichen Fassade kann sich dadurch beträchtlich erhöhen. Bauwerksbegrünungen mindern den Schadstoffgehalt der Luft speziell hinsichtlich Feinstaub.

Die traditionellste und einfachste Begrünung von Außenwänden erfolgt mit der sogenannten „Mauerkatze" oder auch „Jungfernrebe" oder „Veitchii" genannt (wissenschaftlicher Name: Parthenocissus tricuspidata Veitchii). Sie verdankt ihre Fähigkeit an fast allen Oberflächen ohne Kletterhilfe in die Höhe klettern zu können, denn an ihren Triebenden sitzen Haftscheiben. Die Pflanze gibt es noch gar nicht so lange in unseren Breiten: sie stammt ursprünglich aus Korea, China und Japan und kam erst etwa 1860 nach Europa, wo sie dann allerdings rasch weite Verbreitung fand. Sie ist sommergrün mit einer bestechend roten Herbstfärbung (zumindest an den besonnten Flächen) und kann ohne weiteres 20 m hohe Wände dicht überziehen. Entgegen der manchmal verbreiteten Meinung beschädigen die fest haftenden Ranken das Mauerwerk keineswegs. Vielmehr wird dieses vor direkter Sonnenbestrahlung und somit starker Aufwärmung bzw. hohen Temperaturschwankungen geschützt. Ein Wärmedämmungseffekt im Winter ist allerdings nicht gegeben.

Der Veitchii ist mit dem „Wilden Wein" (Parthenocissus quinquefolia) nahe verwandt, letzterer braucht aber meist eine Rankhilfe, weil die Haftscheiben nur schwach ausgebildet sind. Allerdings gibt es einige Sorten, die ebenfalls gut klettern können wie z.B. Parthenocissus quinquefolia 'Engelmannii'. Alle Sorten weisen die typische rote Herbstverfärbung auf.

Eine weitere altbekannte Mauerbegrünungspflanze ist der Efeu (Hedera helix). Seine Blätter sind auch im Winter grün. Er klettert mit „Haftwurzeln" und kann ebenfalls gut 20 m hohe Mauern überziehen. Allerdings kann er insbesondere in den oberen Bereichen sehr mächtig werden, wenn er die „Altersform" ausbildet. Wenn sich dann darauf Schnee ablagert kommt es nicht selten vor, dass ganze Fassaden „abgeräumt" werden und erhebliche Schäden entstehen. Eine mit Efeu begrünte Fassade muss man demnach „unter Kontrolle halten" und zumindest im obersten Bereich mit einer Drahtseilverspannung sichern. Er darf auch nicht auf das Dach wachsen, denn seine Triebe verschieben leicht Dachziegel.

Fast alle anderen bei uns vorkommenden Kletterpflanzen benötigen Kletterhilfen in Form von Lattengerüsten oder Seilverspannungen. Zu den zumindest zur Blütezeit attraktivsten Pflanzen zählt die Glyzinie oder Blauregen (Wisteria sinensis). Sie ist ein überaus üppig und rasch wachsender und hoch hinauswollender Kletterer (30 m). Die erste üppige Blüte erfolgt vor dem Blattaustrieb. Sie an Hauswänden in Schach zu halten ist aufwändig, wird aber durch jährlich oft zweimalige Blütenpracht belohnt, wenngleich diese leider nur kurz dauert. Vorsicht bei Dachrinnen und deren Ableitungsrohren: Wisteria kann sie umschlingen und regelrecht zerdrücken.

Kletterrosen können prachtvoll sein, erreichen aber selten mehr als 5 m Höhe. Gleiches gilt für die vielen Sorten und Hybriden von Clematis (Waldrebe). Besonders jene aus der Clematis viticella-Gruppe sind nicht nur gut winterhart sondern blühen sehr lange, oft bis in den August hinein.

Es gibt zahlreiche weitere weitgehend winterharte Kletterpflanzen, die bei uns aber eher selten anzutreffen sind wie etwa: Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris), Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla), Trompetenwinde (Campsis radicans), Geißblatt (Lonicera) in vielen Formen und Sorten, Hopfen (Humulus lupulus), Winterjasmin (Jasminum nudiflorum), Akebie (Akebia quinata) und noch einige mehr. Auch die Kiwi (Actinidia deliciosa) gedeiht bei uns gut und ist an geschützten Standorten winterhart, sie wird allerdings sehr üppig und ist vor allem für groß Pergolen besser geeignet als für eine Wandbegrünung. Ähnliches gilt auch für den häufig an Lärmschutzwänden anzutreffenden Schlingknöterich (Faloppia aubertii).

Weiters gibt es zahlreiche bei uns meist einjährige Pflanzen, mit denen sich kleine Flächen z.B. auf Terrassen und Balkons sehr attraktiv begrünen lassen: Glockenrebe (Cobea scandens), Schwarzäugige Susanne (Thunbergi alata), Prunkwinden (Ipomea in vielen Arten und Sorten), Kapuzinerkresse (Tropaeolum-Hybriden), Feuerbohnen (Phaseolus coccineus), Duftwicke oder Ziererbse (Lathyrus odoratus),

Eine sehr alte Form der Fassadenbegrünung ist Spalierobst. Hier stand nicht die Begrünung im Vordergrund sondern die Obsternte in rauherem Klima wie etwa im österreichischen Waldviertel. An den klimatisch begünstigten Südwänden der Häuser lassen sich Obstbäume an Lattengerüsten ziehen, die im freien Stand nur schlecht gedeihen würden. In manchen Gegenden hat das große Tradition wie z.B. auch im Salzkammergut (Österreich). Auch Weinreben werden außerhalb des Weinbauklimas traditionell häufig an Hauswänden gezogen, und zählen somit auch zu den Fassadenbegrünungen.

Während die bisher genannten Pflanzen im Boden am Fuß der begrünten Wand wurzeln, werden seit einigen Jahren technische Begrünungssysteme propagiert, bei denen die Pflanzen in an der Wand befestigten „Behältern" verschiedenster Form gedeihen. Damit lassen sich rasch auch große und hohe Flächen begrünen. Der Aufwand für Herstellung und Pflege ist allerdings erheblich. Während sich diese Begrünungsformen in Ländern ohne Frostperioden gut etabliert haben, sind sie in unseren Breiten eher seltener zu finden. Nachdem die Wasserzuleitung aus Frostschutzgründen im Herbst abgestellt und die Leitungen entleert werden müssen, kann es bei länger anhaltenden Frostzeiten zum Vertrocknen der Pflanzen kommen („Frosttrocknis"). Auch bei der Beherrschung der Wasserdichtheit der Fassade nach innen gibt es bisweilen größere Probleme.

VIKING Garten-Experte
Prof. Karl E. Schönthaler

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