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Begrüntes Dach

Begrüntes Dach

Begrünte Dächer sind keine Erfindung unserer Zeit. Es gab sie bereits in der Antike, in der Epoche der Renaissance waren sie ebenso „in Mode" wie vor über 100 Jahren und heute eben wieder.

Wir können drei „Grundtypen" unterscheiden:
1.) die extensive Dachbegrünung
2.) das Grasdach
3.) die intensive Dachbegrünung

1.) Die extensive Dachbegrünung:
Von einer extensiven Dachbegrünung spricht man dann, wenn den Pflanzen nur wenige Zentimeter Boden- „Substrat" zur Verfügung gestellt werden sollen oder können (etwa aus Gewichtsgründen). Es reichen 3 bis 5 cm in denen vorwiegend Pflanzen aus der Sedum-Gruppe (Mauerpfeffer etc.) angepflanzt werden. Die Gewichtsbelastung des Daches liegt bei etwa 50 kg pro m² und ist daher meist ohne zusätzliche Maßnahmen realisierbar. Sie benötigen - wenn sie einmal etabliert sind - kaum Pflege und keine oder nur ausnahmsweise eine zusätzliche Wasserversorgung. Nur flache bis sehr wenig geneigte Dächer sind dafür geeignet. Sie sind außer zu Pflegezwecken nicht betretbar, sind aber wesentlich hübscher anzuschauen als die üblichen kahlen Kies- oder Blechdächer. Ökologisch sind sie trotzdem äußerst interessant, weil sie bis zu 70 % der Jahresniederschläge zurückhalten können. Damit entlasten sie die Regenwasserkanalisation enorm, das Wasser kann unmittelbar wieder langsam verdunsten und so ein besseres Mikroklima schaffen sowie die Aufheizung der Dachoberfläche stark verringern. Deshalb ist es beispielsweise in mehreren Städten Österreichs vorgesehen, dass Flachdächer ab einer bestimmten Größe begrünt werden müssen (z.B. Industrie- oder Lagerhallen, auch wenn sie nicht unmittelbar einsehbar sind). Fast jedes private, flache Garagendach lässt sich mit vertretbarem Aufwand auch „grün" gestalten. Achten muss man insbesondere auf die „Wurzelfestigkeit" dar Dachabdichtung und die Ausbildung des Dachrandes. Wichtig ist auch, dass wirklich nur die oben genannten geringen Substratschichten verwendet werden, da sonst insbesondere Gräser einwandern, die die Sedumpflanzen bald verdrängen, dann aber bei der nächsten Trockenheit selbst absterben; daher sind die in manchen Büchern propagierten „Sedum-Gras"-Dächer Unfug! Heute werden auch fertige „Sedum-Matten" angeboten, die ähnlich einem Rollrasen verlegt werden können. Die Einbeziehung von erfahrenen Fachleuten ist jedenfalls dringend anzuraten.

2.) Das Grasdach:
Grasdächer brauchen um die 10 cm Boden-„Substrat". Es gibt auch stärker geneigte Grasdächer. Die ökologischen Wirkungen sind ähnlich und sogar besser als die oben erwähnten. Das große Manko bei allen Grasdächern ist die Pflege: das Gras muss zumindest einmal jährlich geschnitten werden, was immer wieder eine große Herausforderung darstellt, sei es aus Sicherheitsgründen (Absturzgefahr), dem Geräteeinsatz (Rasenmäher, Motorsense ...) und der Schnittgutabtransport ist aufwändig und somit auch mitunter teuer. Je nach Klimalage und Besonnung braucht ein Grasdach fast immer eine zusätzliche Bewässerungsmöglichkeit, was ebenfalls nicht einfach zu lösen ist. Die zusätzliche Gewichtsbelastung des Daches durch das „Substrat" liegt bei etwa 150 kg je m² und damit in einem statisch bereits sehr relevanten Bereich. Ein Grasdach ist jedenfalls kein „Laienprogramm"!

3.) Die intensive Dachbegrünung:
Die intensive Dachbegrünung lässt sich generell als „Dachgarten" umschreiben. Es handelt sich dabei so gut wie immer um Flachdächer, die auch entsprechen genutzt werden können. Das kann schon mit einer relativ einfachen Aufstellung von Pflanzkübeln erreicht werden, die natürlich einer entsprechenden Pflege bedürfen. Bei größeren Pflanztrögen ist es sinnvoll eine entsprechend gesteuerte Bewässerungsanlage vorzusehen. Nutzbare Rasenflächen auf Dächern sind eher problematisch (Größe, Schnitt, Bewässerung etc). „Dachgärten" sollten jedenfalls professionell geplant und ausgeführt werden, insbesondere wenn Gehölze (Sträucher und kleine Bäume) gewünscht werden. Es sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen, von der Statik über die Windbelastung, die Wurzelfestigkeit der Dachabdichtung ebenso wie die immer erforderliche zusätzliche Wasserversorgung. Kleinste Fehler können zu enormen Folgeschäden führen (z.B. Eindringen von Wasser in darunterliegende Räumlichkeiten). Dachgärten bringen hohe zusätzliche Lebensqualität in dichtbesiedelte Gebiete, verlangen aber hohe Herstellungs- und auch Unterhaltskosten.

VIKING Garten-Experte
Prof. Karl E. Schönthaler

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