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Baumstämme schützen

Thermische Stammschäden an Obst- und Zierbäumen nehmen vermehrt zu

Baumstämme schützen

Es gehörte schon vor mehr als 100 Jahren zum einfachen, gärtnerischen Wissen, dass man Zier- und Obstbäume mit einem Weißanstrich vor thermischen Schäden schützt. Auch der weltbekannte Forst- und Baumexperte Dr. Alex L. Shigo (1930-2006) aus den USA hat in seinen Fachvorträgen immer wieder dieses Problem sowie auf historische, gärtnerische und forstliche Fachliteratur hingewiesen. Thermische Rindenschäden sind unter Fachleuten bekannt. Der Gartenliebhaber erkennt nur die Auswirkungen thermischer Schäden. Ein Stammschutz sollte nicht nur bei Baumarten mit einer dünnen Rinde, wie Ahorn, Rosskastanie und Linde Standard sein, denn Untersuchungen belegen, dass alle Baumarten für thermische Schäden anfällig sind. Der junge Stamm sollte mindestens fünf Jahre nach der Pflanzung vor der Sommer- und Wintersonne geschützt sein.

Altes gärtnerisches Wissen sagt uns, dass man die Bäume nicht vor dem Frost schützen, sondern vor Wärme schützen muss. Das Problem ist der Sonnenschein im Winter, verbunden mit einem starken Temperaturwechsel. Passend zur Jahreszeit, konzentrieren wir uns hier auf den nahenden Winter. Angemerkt sei, dass dieses Problem auch im Sommer durch starke Überhitzung besteht.

Wintersonnennekrosen
Starke Temperaturschwankungen sind für Frostrisse verantwortlich. Als besonders kritisch stellt sich jener Zeitraum heraus, in dem sich ein Teil des Baumes im Bereich über 0 Grad und der andere Teil des Baumes unter 0 Grad befindet. Besonders im Spätwinter, wenn durch Plusgrade eine Frostenthärtung eintritt und dann die Temperaturen wieder stark sinken, entstehen Wintersonnennekrosen. Wir bezeichnen diesen Schaden als Frostplatte.

Plant man Neupflanzungen, muss die Anbringung eines Stammschutzes rechtzeitig berücksichtigt werden. Baumschulbetriebe bieten zum Teil schon Zierbäume mit einem Stammschutz an. Bei den Obstbaumpflanzungen besteht dieser Standard nicht. Hier sollte sich der Baumbesitzer selbst helfen und einen Stammschutz in Form eines Weißanstriches anbringen. Stammschutzmaßnahmen sind bis zum Kronenansatz und darüber hinaus nach der Pflanzung ca. fünf bis sieben Jahre lang anzubringen. Bei der Mittelwahl sollte man beachten, dass die Weißanstriche eine unterschiedliche Haltbarkeit aufweisen. In der Regel muss dann zweimal im Jahr der Schutz erneuert werden.

In Deutschland wurde eine Stammschutzfarbe mit der Handelsbezeichnung „Arbo Flex" entwickelt. Dieser Anstrich bleibt fünf Jahre auf der Rinde. Die langsam nachlassende Schutzwirkung gewährleistet, dass sich die Rinde den Strahlungsverhältnissen am Standort anpasst. Eine Stammschutzfarbe darf nur auf einen trockenen Stamm an frostfreien Tagen aufgebracht werden.

Stammschutz auch an alten Bäumen
Nach Schnittmaßnahmen werden häufig Stamm- und Starkäste freigestellt. Um diese vor den Sonnenstrahlen zu schützen, sollte auch hier ein Weißanstrich aufgebracht werden, um Winter- und Sommersonnenschäden zu vermeiden.

Risse trotz des Weißanstriches können folgende Ursachen haben:

  • Sehr häufig werden Bäume vor und nach der Anlieferung ungeschützt zwischengelagert.
  • Der Stammschutz erfolgte erst einige Zeit nach der Pflanzung.
  • Pilzkrankheiten

Fazit
Grundsätzlich sollte jeder Baum nach der Pflanzung mit einem Weißanstrich versehen werden, um Schäden durch die Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Mindestens fünf Jahre sollte ein Weißanstrich vorhanden sein. Bei Marille und Zwetschke sollte dies noch einige Jahre länger praktiziert werden. Insbesondere bei Spalierbäumen sollte der Sonnenschutz grundsätzlich jedes Jahr aufgebracht werden. Birke und Platane erhalten keinen Anstrich.

Ing. Manfred Putz

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